Taiyoh Mori

Die Frage, was unter Zeichnung verstanden werden kann, ist stets die Motivation meiner Arbeit. Durch eine präzise Herangehensweise versuche ich zum einen, mich auf die Relationen zwischen Papier, Stift und Auszuführendem selbst zu konzentrieren. Auf welche Art die Zeichnung entsteht und sich jeweils ereignet, gilt es zu erfahren und wahrzunehmen. All jene hierbei störenden Elemente, wie repräsentative Formen, expressive Gesten und Farben – Momente also, in welchen sich eine starke Subjektivität und Suggestivität manifestieren – beabsichtige ich zu reduzieren. Zurückhalten möchte ich das Emotionale, denn was der Betrachtende unmittelbar erfahren soll, ist der bloße Prozess des Zeichnens.

Zum anderen begreife ich das Zeichnen in Relation zum Raum. Um die Zeichnung betrachten zu können, wird diese in einen Raum gestellt. Sie existiert niemals losgelöst von ihm. Gerade Licht und aus ihm entstehender Schatten haben das Potenzial, interagierend die räumliche Umgebung zu reflektieren. Unter den jeweiligen ortsspezifischen Verhältnissen erscheint durch das Licht die dem Bild eigene Struktur und Materialität. Zugleich sind die mitunter installativen Zeichnungen Resonanzkörper der Atmosphäre ihres Umfeldes. So vervollständigen sich die Zeichnungen oft erst mit durch Schatten entstehende Linien. Solche dynamischen Wechselwirkungen hinterfragen die Grenzen der Zeichnung und machen Übergänge zwischen Bild und Raum erfahrbar. Vom Werk an sich wird die Aufmerksamkeit auf diesen die Grenzen verhandelnden Prozess gelenkt. Wo, so die treibende Frage, ist der Anfang oder das Ende einer Arbeit, wenn sie im und durch das Licht in Erscheinung tritt? In der Konfrontation mit dem Prozess des Zeichnens lote ich somit die Möglichkeit aus, jene Übergänge zwischen Raum und Zeichnung sichtbar zu machen.

Kontakt